Die Harmonie längst vergangener Zeiten

24. Januar 2018 | Von | Kategorie: Rezensionen

Peuerbach

Rezension von …………………………. Hermine Touschek

Das Peuerbacher Schlosstheater ließ heuer sein Publikum an einer Paartherapie teilhaben: „Die Wunderübung“ unter der Regie von Manuela Schlagintweit hatte zu Silvester 2017 Premiere.

Daniel Glattauer begeisterte mit seinen Email-Liebesgeschichten „Gut gegen Nordwind“ und „Alle sieben Wellen“ ein Millionenpublikum. Die Wunderübung, sein erstes Theaterstück, hatte 2015 an den Kammerspielen des Theaters in der Josefstadt Premiere und wird seitdem von Profi- und Amateurbühnen im deutschsprachigen Raum mit Beigeisterung gespielt. Die Filmversion mit Erwin Steinhauer als Therapeut läuft gerade in den Kinos.

Die Handlung ist ja mittlerweile allseits bekannt: Heillos zerstrittenes Ehepaar sucht als letzten Ausweg einen Paartherapeuten auf, der mit einer „paradoxen Intervention“, der Wunderübung, scheinbar bis auf Weiteres die Beziehung doch noch rettet.

Gerade deswegen, weil das Stück stellenweise mit gängigen Mann/Frau-Klischees aufwartet – ER weiß im Grunde gar nicht, WAS nicht in Ordnung sein soll, scheut die Verantwortung und ist unsensibel – SIE ist hysterisch, scharfzüngig und überempfindlich, findet sich so mancher wieder in den Figuren. Glattauer führt das Publikum mit köstlichen Dialogen in bekannte, allzu menschliche Abgründe.

Die Komödie bietet den Schauspielern Gelegenheit, ihre vielseitige und wandlungsfähige Seite unter Beweis zu stellen – was in Peuerbach auch bestens gelungen ist.
Herbert Wiesinger ist ein sichtlich genervter Valentin, der in trockener Schärfe seinen Beitrag zum Krieg der Worte leistet. Kornelia Wagner als Joana ist die überzeugend schmerzlich frustrierte Ehefrau, die traurig nach vergangenen, schönen Erlebnissen sucht. Gemeinsam gelingt es ihnen mithilfe des Therapeuten doch ein paar berührend harmonische Momente heraufzubeschwören.

Äußerst amüsant und komisch wurde die therapeutische Übung umgesetzt, in der sich die beiden in den jeweils anderen hinzuversetzen versuchen. Stefan Pimmingstorfer ist ein ernsthaft bemühter Paartherapeut, der angesichts des kampflustigen Ehepaares sämtliche Register seines Könnens zieht und völlig erschöpft doch letztendlich erfolgreich ist.

Manuela Schlagintweit gelingt es, in der Komödie doch auch die Tragödie zu vermitteln. Zwei weit auseinander liegende Teile eines Herzens kommen sich auch in Form des Bühnenbildes wieder näher. Ob es dabei bleibt, lässt das Stück offen. Vielleicht gibt es ja eine Fortsetzung aus Glattauers Feder – wer weiß.

 

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