Alles retro

5. April 2017 | Von | Kategorie: Rezensionen

Ottnang

Rezension von …………………. Christian Hanna

Rückschau, Rückbesinnung sind in. In diesem Sinn präsentierte die Mosaik Bühne Ottnang eine total zeitgeistige, weil nostalgische Dialektkomödie von Christian Lex, einem Autor, der, weil Jahrgang 1977, diese Zeit nicht erlebt hat und dennoch das Aufeinandertreffen von Mief und Modernität irgendwo in einem kleinen Kaff hierzulande recht treffend beschreibt.

„Hopfen & Hendrix A Flascherl vom Glück“ ist der Titel der Komödie, der die zeitliche Einordnung recht leicht macht. In den späten 60er Jahren schaut’s so aus, als würde das traditionsreiche Fischbräu seinen 300er knapp nicht mehr erleben und von Konkurrent Wigg Maierhofer geschluckt werden. Betty Fisch, die Besitzerin, ist verzweifelt, ebenso ihr Braumeister Simmerl, der auf einmal nur mehr grauenhaftes Bier braut, das alle Gäste vertreibt. Da erscheint wie vom Himmel geschickt Ringo, ein junger Braumeister; er schaut zwar aus wie ein Gammler und verschreckt die Köchin Traudl mit den neumodernen Platten, die er in die Jukebox gibt, versteht aber sein Fach und möchte den ganzen veralteten Betrieb auf neue Beine stellen. Klar, dass damit nicht alle Freude haben.

Neben der turbulenten Handlung sorgt der Autor mit zeittypischen Zutaten für ein Bild der Epoche: mit der gliederverrenkenden Suche nach Radioempfang, mit der bahnbrechenden Einführung sauteurer Farbfernsehgeräte, mit Frisurenmode, mit Miniröcken, mit der selbstverständlichen Akzeptanz einer offensichtlich dementen Köchin, die keiner bloßstellt, und dem Gebrauch des längst verbotenen Bierwärmers, dieses klassischen Relikts untergegangener Wirtshauskultur, den der gemütliche Totengräber des Dorfs, der sich letztendlich als begeisterter Rock’n’Roller outet, immer verlangt.
Regisseur Hubert Lagler ist eine liebenswerte, beschwingte Inszenierung zu danken, die das begeisterte Publikum, insbesondere Zeitzeugen, auf eine Reise in die Vergangenheit entführte. Dabei hilft auch das sprechende Bühnenbild, von dem das Programmheft leider verschweigt, wer es entworfen hat.

Den Darstellern ist es offenbar gelungen, die Intentionen Laglers adäquat umzusetzen. Sandra Holzmannhofer war eine berührende, liebenswerte Betty Fisch, Elisabeth Haslinger ihre treue wie vergessliche Köchin. Lois Fellner gab den ratlosen, verzweifelten Braumeister Simmerl, Hubert Fellner den dubiosen, betrügerischen Konkurrenten Wigg Maierhofer. Elisabeth Schmidt war die Dorfgreißlerin Gusti Wimmerdinger als nervige Tratschn, Thomas Gröstlinger ihr windiger Mann Bertl, Ferdinand Großauer überzeugte als gemütlicher Totengräber Ignaz.

Gesondert vor den Vorhang zu holen sind zwei Debütanten in zwei Hauptrollen: Bernadette Haas gefiel als kecke wie kesse Kellnerin Lisa, und David Fellner gab den jungen Braumeister Ringo mit der wunderbar ironischen Distanz dessen, der schon mehr gesehen hat als dieses kleine Dorf.
Die kleinen Einwände sind kritisieren auf hohem Niveau: Der zweite Akt hätte ein bisschen straffer sein können, viele Anschlüsse ein bisschen flotter, exakter (was insbesondere für Neulinge aber wirklich schwierig ist), und im oberösterreichischen Dialekt geht man immer noch auffi, nicht nach oben (sonst stimmte aber, was die Sprache betrifft, wirklich alles). Und was den Bezug zum Stücktitel betrifft: herrlich süffigen Rieder Flüssighopfen gab’s am Buffet in ausreichender Menge, aber Hadern vom Hendrix hätten’s ein bisschen mehr sein dürfen!

Schreibe einen Kommentar

*