Im Netz der Intrigen

7. Mai 2017 | Von | Kategorie: Rezensionen

Falle

Rezension von …………………………. Hermine Touschek

„Die Falle“, ein Kriminalstück von Robert Thomas steht im Innviertel auf dem Programm. Der Theaterverein St. Martin im Innkreis hatte am 5.5. in Ried Premiere. Regie führten Anita Reischauer und Stefan Volgger – mit Regieunterstützung von Anatoli Gluchov.

Aus der Feder des französischen Autors Robert Thomas stammt auch der Bühnenkrimi „8 Frauen“. Die Uraufführung von „Die Falle“ (Originaltitel: „Piège pour un homme seul“) fand 1960 in Paris statt. Alfred Hitchcock war davon so angetan, dass er sich sogleich die Filmrechte sicherte. Leider starb der Meister vor Drehbeginn, und das Projekt wurde nie realisiert. Das Stück wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und gehört an vielen internationalen Bühnen zum festen Repertoire.

Daniel Corban (Michael Matzner) ist verzweifelt – seine Frau Florence ist nach einem Streit verschwunden und gilt als vermisst. Der Kommissar (Siegfried Horvath) kann ihm nur versprechen, sein Bestes zu tun. Da erscheint der Kaplan Maxim (Achim Laabmaier) und bringt die Gattin zurück. Doch Daniel ist entsetzt: die Frau (Manuela Steuer), die ihn da so vertraulich umarmt, ist nicht seine Frau. Daniel erlebt nun einen Albtraum – alles, was geschieht, droht ihn in den Wahnsinn zu treiben.
Es tauchen weitere Zeugen auf, die Daniel Lügen strafen und die fremde Frau als seine Gattin identifizieren. Zeugen widersprechen sich, Gift ist im Spiel, ein Schuss fällt, es gibt einen Toten – oder doch nicht? Was ist Schein, was ist Realität? Der Kommissar ist ratlos. Er weiß nur: Einer spielt falsch. Die Ereignisse überstürzen sich und eine Falle wird gestellt.

Es ist eine Achterbahnfahrt, auf die das diffizile Stück die Zuschauer mitnimmt und auf ihren Plätzen fesselt – raffinierte Zutaten, gekonnt zubereitet. Ehe man es mitbekommt, ist man schon im Zug des Thrillers gefangen und kann sich dem perfiden Spiel um Macht und Ohnmacht nicht mehr entziehen – was nicht zuletzt an der grandiosen Meisterleistung des gesamten Ensembles liegt. Gebannt fiebert das Publikum der Lösung entgegen.

Michael Matzner als Daniel vermittelt mit Sprache und Körper messerscharf eine Fülle von Emotionen, die keinen Zweifel an ihrer Identität und Wahrhaftigkeit aufkommen lassen. Er durchlebt überzeugend ein Wechselbad der Gefühle.
Siegfried Horvath als Kommissar steuert jovial und souverän die Handlung. Glaubhaft scheint er mit allen Wassern seines Metiers gewaschen zu sein.
Manuela Steuer als vermeintliche Ehefrau ist souverän, kalt und überzeugend – jeder Widerspruch erübrigt sich. Sie scheint wie die Spinne im Netz auf ihre Beute zu warten.
Schön zwielichtig und selbstgefällig agiert Achim Laabmaier als Kaplan. Florian Wimmer bringt als Landstreicher Seehecht etwas Leichtigkeit in die fast unerträgliche Spannung. Die nette Krankenschwester Katharina Wimmer ist verängstigt und in Nöten geraten.

Ein Bühnenkrimi der Extraklasse, höchst eindringlich gespielt. Das Ende wird nicht verraten. Unbedingt ansehen – ein intensives Theatererlebnis, das sie nicht so schnell vergessen werden, ist garantiert.

Noch zu sehen in St. Martin i. Innkreis (Mehrzweckhalle)
Am 12.5. und 13.5. um 20.00 Uhr
                           14.5. um 18 Uhr

http://www.theater-st-martin.at/

Falle1
Seehecht – Florian Wimmer
Daniel Corban – Michael Matzner

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