Des Kaisers neue Kleider

25. Juli 2017 | Von | Kategorie: Rezensionen

Kaiser

Rezension ………………………………… Hermine Touschek

In der wunderbaren Kulisse des Burgareals Reichenau im Mühlviertel wird heuer – neben dem Erwachsenenstück „Cyrano de Bergerac“ – das Kinderstück „Des Kaisers neue Kleider“ gespielt.

Die märchenhafte Geschichte von Hans Christian Andersen, in der Bearbeitung von Heiner Schnitzler, wurde von Andrea Weiß inszeniert. Frau Weiß – besser bekannt unter ihrem Mädchennamen Schnitt – zeichnet seit 2011 für die Regie beim Kinderstück in Reichenau verantwortlich.

Als Einstimmung gibt es gleich vom ganzen Ensemble eine beschwingte Tanzperformance zu „Dirty Jazz“ von Delapap. Turbulent und kunterbunt geht es weiter. Der eingebildete, selbstverliebte, etwas dumm erscheinende Kaiser Nibelius Nobelius (Christian Luger) ist ein köstlicher Glööckler-Verschnitt, dem es nur um sein Interesse an schönen Kleidern geht. Er vernachlässigt sein Amt, lässt seine Angestellten hungern, indem er ihnen keinen Lohn mehr zahlt, und kümmert sich nicht um das Wohlergehen seines Volkes, sondern nur um sein eigenes. Da fallen einem doch sofort einige „Herrscher“ unserer Welt ein, bei denen es nicht anders ist.

Die Außenministerin (Margit Söllradl) und der Innenminister (Helmut Springer) spielen wunderbar zusammen und sind nur darauf bedacht, ihren Job nicht zu verlieren. Kritisches Denken ist ihnen völlig abhanden gekommen – Geschweige denn, das Offensichtliche auch anzusprechen.
Zwei Betrüger (Rudi Graf und Hubert Wögerbauer) erkennen ihre Chance und führen den Kaiser spitzfindig, klug und humorvoll an der Nase herum. Die beiden gewinnen im Sturm die Gunst des Publikums.
Erst jetzt trauen sich auch die anderen, das Elend aufzuzeigen. Die Kinder, die nichts zu verlieren haben, sprechen – im wahrsten Sinne des Wortes – die „nackte“ Wahrheit aus. Mutig und sympathisch führt allen voran Mamsell Frechdachs (Nadine Moser) das Volk aus der Verstrickung.
Kunterbunt, fröhlich und mit ansteckender Spielfreude beigeistert das Ensemble in der gelungenen Regie. Angesichts einer so bezaubernden natürlichen Umgebung – Burg in natura –  hätte man eventuell auf das gemalte Bühnenbild verzichten können.

Noch zu sehen am:
25., 26., 30., 31. Juli und am 1. und 2. August jeweils um 19 Uhr
UND am 30. Juli auch um 15 Uhr

Cyrano de Bergerac wird noch gespielt am:
27., 28., 29. Juli und 3., 4. und 5. August jeweils um 21.30 Uhr

http://burgfestspiele.at/

 

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