„Es gibt immer zwei Möglichkeiten ……..“

5. August 2017 | Von | Kategorie: Rezensionen

Werfel

Rezension von …………………………. Hermine Touschek

Die „Sommertheatertage“ der Grenzlandbühne Leopoldschlag bieten heuer „Jacobowsky und der Oberst“ von Franz Werfel. Für die Regie zeichnet einmal mehr Daniel Pascal verantwortlich.

„Komödie einer Tragödie“ nannte Franz Werfel sein letztes Drama, das zwischen 1941 und 1942 entstand. Im März 1944 fand in New York City die Uraufführung statt – in deutscher Sprache im Oktober 1944 in Basel. Sehr erfolgreich wurde auch die Verfilmung aus dem Jahr 1958 mit Curd Jürgens und Danny Kaye in den beiden Hauptrollen.

Im Stück geht es vordergründig um die Flucht vor dem Nationalsozialismus. Franz Werfel verarbeitete darin auch persönliche Erfahrungen. Ab 1938 befand er sich wegen seiner jüdisch-deutschböhmischer Herkunft auf der Flucht, verbrachte eine Zeit in Frankreich und emigrierte schließlich 1940 in die USA.
Der polnische Jude Jacobowsky (Gerhard Neunteufel), der polnische Oberst Sterbinsky (Robert Traxler) und dessen Diener Szabuniewicz (Martin Obergruber-Steinecker) sind auf der Flucht vor den Deutschen. Die französische Geliebte des Oberst, Marianne (Inge Dornetshuber), muss auch noch mitgenommen werden.
Der Oberst, ist Antisemit und aufbrausender Militarist, Jacobowsky ein lebensbejahender Mensch, der trotzdem er sich zeitlebens auf der Flucht befindet, mit instinktiver Klugheit und Erfindungsgeist dem Schicksal immer wieder ein Schnippchen schlagen konnte. Marianne zeigt sich im Grunde als eine verwöhnte Frau. Diese gegensätzlichen Menschen sind durch die widrigen Umstände aufeinander angewiesen und übernehmen im Lauf der Handlung Verantwortung füreinander.

Wie immer, zeigt sich auch bei dieser Produktion die hohe Qualität der Grenzlandbühne. Flucht, und Menschen, die aufeinander angewiesen sind, ist auch heute ein allgegenwärtiges Thema.
Martin Oberngruber-Steinecker als Szabuniewicz ist ein überzeugend treu ergebener Diener seines Herrn, der den polnischen Akzent zum Liebhaben und perfekt natürlich das ganze Stück beherrscht. Robert Traxler zeigt einen Oberst, der es gewohnt ist, seinen Willen durchzusetzen, ein Frauenheld, der eine sichtbare Wandlung zum Menschlichen durchmacht und erst so mit Jacobowsky in die Freiheit nach Amerika gelangen kann. Gerhard Neunteufel als Jacobowsky hat den naiven Charme eines Antihelden. Er ist der „ewige Jude“, der mit Witz und Geschick ausgestattet ist. Ein wenig mehr Facetten, hätten der Figur noch gut getan. Inge Dornetshuber wandelt sich von der naiven, verwöhnten Lebedame zur ehrlich liebenden Frau und Freiheitskämpferin. Ein besonderer Genuss ist Wolfgang Aistleitner, der in fünf verschiedenen Rollen seine große Wandlungsfähigkeit zeigt.
Das Bühnenbild ist bewusst einfach und trotzdem stimmungsvoll gehalten und mag genau deswegen überzeugen.

Eine sehenswerte Produktion für ein Publikum, das offen für anspruchsvolles Theater ist.

Noch zu sehen am:
10., 11., 12. August – jeweils um 20 Uhr
13. August um 15 Uhr

http://www.grenzlandbuehne.at/

Werfel1
Oberst Stjerbinsky: Robert Traxler
Diener Szabuniewicz: Martin Obergruber-Steinecker
Marianne: Inge Dornetshuber
Jacobowsky: Gerhard Neunteufel

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