Wer zum Teufel ist dieser Mrozek?

7. November 2017 | Von | Kategorie: Rezensionen

GusentheaterRezension von …………………….. Christian Hanna

…….. fragt das Gusentheater Gallneukirchen sein Publikum in der aktuellen Produktion im Probenraum im Warschenhofergut.

Eine einfache Antwort auf diese Frage lässt sich natürlich bei Wikipedia finden:

Slawomir Mrozek, geboren 1930 in der Nähe von Krakau, gestorben 2013 in Nizza, war ein polnischer Schriftsteller und Dramatiker. In jungen Jahren noch strammer Stalinist, hatte er in Polen zuerst als Karikaturist und dann als satirischer Erzähler erste Erfolge. Mit dramatischen Sketchen fand er zu seiner Form. Die Mittel des Absurden erlaubten es ihm, mit griffigen Pointen die durchgängig die Gesellschaft überwachende und kontrollierende Staatsmacht zu kritisieren.

Die Antwort des Gusentheaters auf die selbstgestellte Frage ist die Inszenierung zweier Grotesken des beinahe aus dem Bewusstsein der Theaterschaffenden verschwundenen Autors: Auf hoher See und Striptease. Obwohl zwei Regisseure daran beteiligt waren, fügen sich die beiden Einakter zu einem homogenen Abend. Und obwohl die Stücke natürlich vor dem Hintergrund eines totalitären Regimes zu sehen sind, ist durch die Absurdität mancher Dialoge und Handlungen und die enorme Skurrilität des Plots der Unterhaltungswert sehr hoch, auch wenn man sich am Lachen schnell einmal verschluckt.

Auf hoher See befinden sich drei Schiffbrüchige, denen der Proviant ausgegangen ist. So beschließen sie, einen von ihnen zu essen. Doch wie vorgehen? Demokratisch muss es sein. Also noch schnell Wahlreden halten mit guten Gründen, warum man selbst es nicht sein soll, und dann los zur Abstimmung. Karin Handlbauer, Heidi Böck und Inge Paumann sind die drei Schiffbrüchigen, die Regisseur Bernhard Paumann mit verblüffender Mimik, beredtem stummen Spiel und großer textlicher Präzision diese Wahlpersiflage ausführen lässt. Und dann wandelt da noch Karin Leutgeb als Briefträgerin über den Wassern – welche Post hat sie für uns?

Einen Striptease legen nicht, wie der Titel oberfächlich suggeriert, hübsche junge Damen hin, sondern zwei gesetzte Herren in Anzug und Krawatte, die aus unerfindlichem Grund von einer unbekannten Macht in einem Raum mit starken Türen festgesetzt werden. Sie protestieren, jeder auf seine Art, leise, vorsichtig gegen diese Behandlung. Daraufhin werden sie von einer weißen Hand, der Personifizierung der anonymen Macht, aufgefordert, sich ihrer Kleidung zu entledigen; letztendlich bedeutet die noch mächtigere rote Hand ihnen, ihr zu folgen. Wie im ersten Teil werden auch hier die Protagonisten schon in einer prekären Situation eingeführt; das Warum tut nichts zur Sache, wird weder angesprochen noch hinterfragt. Regisseur Sepp Mostbauer lässt die zwei Herren, Bernhard Paumann und Ludwig Kreil, slapstickartig in die Szene stolpern; auch Gehaben und Mimik erinnern an alte Filmszenen. Ihre schräge Unterwäsche konterkariert dabei die bedrohliche Situation, in der die beiden stecken, nimmt ihr aber nichts von ihrer Unheimlichkeit, da Kreil und Paumann agieren wie weiland Buster Keaton: Für sie gibt es da gar nichts zu lachen!

Dem Gusentheater sind hier zwei wirklich sehenswerte Raritäten zu verdanken, die noch bis Ende November laufen. Nutzen sie die Gelegenheit!

Noch zu sehen:
10., 11., 17., 18., 24., 25. November um 20 Uhr
5., 12., 19., 26.                  November um 18 Uhr
Im Probenraum Warschenhofergut Gallneukrichen
http://www.gusentheater.at/

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